Germany On The Couch

Auf dem Youtube-Kanal der Achse des Guten kann man gerade ein paar ziemlich maulige Kommentare lesen. Um die 300 upvotes im Verhältnis zu 100 downvotes ist auch ungewöhnlich. Was erregt manche Gemüter so? Das Video von Orit Arfa, Dr. Orit: Three Steps to Overcoming Holocaust Guilt.

Arfa schlägt augenzwinkernd vor, statt Mahnmale zu bauen und unüberprüft hunderttausende von Fremden ins Land zu lassen, könnten die Deutschen, die unter Holocaust Schuldgefühlen leiden, doch etwas viel Einfacheres machen: Hug A Jew.

Neben vielen freundlichen Kommentaren  gibt das Manchem – wobei das bei einem Youtube-Video natürlich keine Achse-Leser sein müssen – auch das Stichwort für Empörung vor: es gibt keine Erbschuld!, Es ist doch nicht meine Schuld, was vor 70 Jahren…

Ja ja, geschenkt.

Natürlich gibt es keine Erbschuld. Behauptet Arfa doch auch nicht. Ihr Video spricht von einem Holocaust Schuldgefühl. Wer so ein Gefühl nicht empfindet, ist erstens gar nicht gemeint.

guilt

Zweitens kann man nun schwer abstreiten, dass im großen Rahmen etwas im Argen liegt, wenn unsere Medien und Politiker ungeniert den Holocaust bemühen, um politische Entscheidungen im Hier und Heute als alternativlos darzustellen.

Und zuguterletzt möchte man sich ja doch mit den schönen Aspekten der deutschen Kultur und Vergangenheit, zum Beispiel den Gebrüdern Grimm, identifizieren. Die wurden zumindest am häufigsten nach Özoguz’ Behauptung, es gäbe keine spezifisch deutsche Kultur, genannt.

Natürlich kann man auch von sich weisen, dass man als Individuum überhaupt in irgendeiner Weise mit der Vergangenheit in einem Kontinuum stehen soll. Das wäre aber keine konservative Position, sondern extremer Nihilismus, und dann soll man doch zumindest so konsequent sein und auch nichts mit den Gebrüdern Grimm zu tun haben wollen.